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Kuba-Entdeckungen:

Kuba

Felsbilder, Mythen und mögliche transatlantische Spuren

Die aktuellen Kuba-Forschungen des ABORA-Teams gehen auf die enge Zusammenarbeit von Dr. Dominique Görlitz mit Prof. Armando Rangel (Universität Havanna) und Esteban Grau (Universität Matanzas) zurück. Seit mehr als zwei Jahren widmen sich die Forscher gemeinsam der Frage, ob es bereits vor Kolumbus kulturelle und maritime Kontakte zwischen der Alten und der Neuen Welt gegeben haben könnte. Während Prof. Rangel in Havanna anhand musealer Befunde – darunter Mumien, Steinschleudern und weitere Artefakte – auf mögliche externe Einflüsse hinwies, führte Prof. Grau Görlitz in eine der bedeutendsten Fundstätten Kubas ein: die Cueva Ambrosio auf der Halbinsel Varadero.

Diese Höhle erweist sich als ein außergewöhnliches Archiv prähistorischer Symbolik. Ihr herausragendster Befund ist die Darstellung eines Schilfbootes in roter Farbe, das in frappierender Weise nahezu alle charakteristischen Merkmale eines prädynastischen Schilfseglers der oberägyptischen Negada-III-Kultur (um 3.100 v. Chr.) aufweist. Zu erkennen sind ein Dreieck-Quersegel, Bug- und Achterkabine, markante Stevenformen – und bemerkenswerterweise sogar mehrere Seitenschwerter am Vorderschiff. Eine solche Detailgenauigkeit ist weder aus der bekannten indigenen Bildsprache der Karibik noch aus rein funktionalen Darstellungen zu erklären.

Doch die Cueva Ambrosio birgt noch weit mehr. Astro-archäologische Motive zeigen Konstellationen der Plejaden und Hyaden in Verbindung mit dem durchziehenden Mond. Dr. Michael Rappenglück ordnet diese Darstellungen der Astro-Mythologie des östlichen Mittelmeerraums zu. Hinzu kommen zahlreiche konzentrische Spiralen, Symbolformen und kartografisch anmutende Zeichnungen, die nahezu identisch auf den Kanaren, in Südspanien, auf Sardinien (Nuraghenkultur) sowie in Teilen des Mittelmeerraums auftreten. Diese formalen Übereinstimmungen überschreiten deutlich den Rahmen zufälliger Parallelentwicklungen.

Thor Heyerdahl und seine Frau Jacqueline mit Fidel Castro (oben). Heyerdahl wurde sehr früh auf die erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen der Alten und Neuen Welt auf Kuba aufmerksam. Präsident Castro führte ihn mehrfach in uralte Dörfer im SO von Kuba, in denen angeblich noch die Nachfahren kanarischer Ureinwohner lebten. Das Bild unten zeigt Prof. Armando Rangel.

Vor diesem Hintergrund entschied sich das ABORA-Wissenschaftsteam, im März 2026 eine gezielte Datierungsmission nach Kuba durchzuführen. Neben der Cueva Ambrosio soll auch die südlichste Insel Kubas, die Isla de la Juventud, untersucht werden. Besonders im Osten der Insel (Punta del Este) existieren bislang kaum erforschte Höhlen mit umfangreichen Felsbildern. Erste Aufnahmen, die Esteban Grau dem Team übermittelte, zeigen Motive, die sowohl an maya-zeitliche Darstellungen als auch an altmesopotamische Symbolik erinnern. Eine spezielle Darstellung rief bei Dr. Rappenglück besonderes Interesse hervor, da sie nahezu identisch auf altsumerischen Rollsiegeln erscheint.

Bereits im Februar 2025 stellte Dominique Görlitz die Ziele und Hintergründe dieser gemeinsamen Kuba-Forschung im Rahmen einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Havanna unter der Leitung von Armando Rangel vor. Damit wurde das Projekt frühzeitig in einen offenen, akademischen Diskurs eingebettet.

Das Schiffsbild aus der Cueva Ambrosio. Es zeigt beinahe alle nautischen und technischen Merkmale der prädynastischen Schilfboote der Negade-Kulturen. Überdies finden wir beinahe identische Schiffsbilder auch in S-Spanien und auf Teneriffa.

Dominique Görlitz interpretiert diese Darstellungen auf der rechten Seite nach seinen Jahrzehnte langen Erfahrungen. Die Bezeichnungen geben die Teile der Takelage wieder. Besonders auffällig ist das Dreieck-Quersegel, das auch ein wenig an ein noch moderneres Lugger-Segel erinnert. Aber auch die anderen Details ähneln erstaunlich ihren vermeintlichen Vorbildern in der Alten Welt.

Fazit und Ausblick

Die Kuba-Forschungen knüpfen bewusst an ältere, heute weitgehend verdrängte Erkenntnistraditionen an. Bereits Alexander von Humboldt und der Freiherr von Braunschweig hatten im 19. Jahrhundert auf auffällige kulturelle Parallelen zwischen der Karibik, den Kanaren und sogar dem östlichen Mittelmeerraum hingewiesen. Ihre Beobachtungen wurden später zugunsten eines strikt isolationistischen Weltbildes marginalisiert. Die aktuellen Befunde aus Kuba geben Anlass, diese frühen Einsichten neu zu bewerten.

Sollten die geplanten naturwissenschaftlichen Datierungen die vermuteten Alter bestätigen, würde sich ein kultureller Horizont abzeichnen, der weit über lokale Entwicklungen hinausweist. In diesem Fall werden die Ergebnisse als Teil der wissenschaftlich-kulturellen Ladung an Bord der ABORA V eine weltweite Verbreitung finden. Ziel ist es nicht, alte Gewissheiten vorschnell zu ersetzen, sondern eine offene Debatte darüber zu ermöglichen, ob frühe Seefahrer – lange vor der Antike – bereits den Atlantik als verbindenden Raum verstanden haben könnten.

Dieses von den Kanaren stammende Bild nutzte schon Freiherr von Braunschweig, um auf die erstaunlichen Parallelen zwischen den Kanaren und Kuba zu verweisen. Insbesondere die Tätowierungen, Mumifikationspraktiken und Trepanationstechniken verbinden die beiden Archipele auf beiden Seiten des Atlantiks.

Diese astronomische Darstellung ist ebenso bedeutsam. Sie zeigt uns die Plejaden mit einer klassischen Mondwende. Doch auf der rechten Bildseite erkennt Rappenglück die typische Darstellungsweise der Hyaden. Sie wurden schon im östlichen Mittelmeerraum als Fischernetz dargestellt: Das Netz, das am Himmel den Mond wieder einfängt und zurück zu den Plejaden schickt. Wie kommt so eine Ikonographie in die Neue Welt?

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