ABORA V
Transatlantische Seefahrt zwischen Alter und Neuer Welt
1. Zielsetzung
Ziel der Expedition ABORA V ist es, erstmals unter kontrollierten experimentellen Bedingungen zu überprüfen, ob eine gezielte transatlantische Seereise von der Alten in die Neue Welt mit einem vorgeschichtlich rekonstruierbaren Schilfboot technisch und nautisch möglich war.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht eine driftgetriebene Überfahrt, sondern die kontrollierte Navigation entlang einer vorgegebenen Route, die auch Kurse außerhalb reiner Vorwindbedingungen erfordert. ABORA V soll damit eine zentrale methodische Schwäche früher Experimente überwinden.
Archäologischer Hintergrund
Es gehört zu den bis heute ungelösten Fragen der Altertumswissenschaften, ob sich die vorkolumbischen Kulturen der Neuen Welt vollständig unabhängig von kulturellen Einflüssen der Alten Welt entwickelt haben. Trotz zahlreicher und teils bemerkenswerter Parallelen zwischen den Kulturen des vorkolumbischen Amerika und jenen des Mittelmeerraumes fehlen bislang belastbare archäologische Erklärungsmodelle, die diese Übereinstimmungen überzeugend einordnen.
Vor diesem Hintergrund führt das ABORA-Team in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten – darunter in Athen, La Coruña, Teneriffa, Matanzas sowie künftig auch Rabat – neue Datierungs-, Analyse- und Vergleichsprojekte durch. Ziel dieser interdisziplinären Forschung ist es, die offenen Fragen auf der Grundlage neuer Daten und Fakten neu zu bewerten. Weiterführende Informationen zu diesen Forschungsprojekten finden sich unter dem Button „Projekte“.
Sollten diese Untersuchungen Hinweise auf tatsächliche transatlantische Kontakte liefern, dient die geplante Seereise von Portugal über Marokko, die Kanaren und Kuba in die Karibik als empirische Überprüfung entsprechender Hypothesen.
Die berühmten RA-I- und RA-II-Expeditionen von Thor Heyerdahl haben weltweit großes Staunen ausgelöst, führten in der Facharchäologie jedoch kaum zu einem Umdenken. Neben der damals noch geringen Fundlage lag dies vor allem an der begrenzten Manövrierfähigkeit der Heyerdahl-Schiffe: Sie waren kaum in der Lage, präzise Kurse zu halten oder bei ungünstigen Winden gezielt entfernte Ziele anzusteuern. Genau hier setzt ABORA V an.
Die neue Expedition folgt einer klar definierten Route mit mehreren Zwischenzielen, die nicht ausschließlich auf Vorwindkursen erreichbar sind. Besonders anspruchsvoll ist das Seegebiet zwischen Nordafrika und den Kanarischen Inseln, wo der Schilfsegler aus dem Kanarenstrom hinaus auf den offenen Atlantik navigieren soll, um gezielt Lanzarote und La Graciosa zu erreichen.
Über ein bewusst gewähltes Inselhopping innerhalb der Kanaren führt die Route anschließend über tausende Kilometer in die Karibik. Entlang der Nordseiten (Windprallhänge) mehrerer Inseln soll ABORA V mindestens bis La Havanna segeln. Optional wird – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen – eine Weiterfahrt bis Florida angestrebt.
Bereits Alexander von Humboldt und der Freiherr von Braunschweig berichteten über erstaunliche kulturelle Parallelen zwischen den Kulturen des Antillenbogens und neolithischen Gesellschaften des Mittelmeerraumes. Das gezielte Erreichen der Karibik von Westeuropa aus wäre daher ein wichtiger Beleg dafür, dass experimentelle Archäologie zur Überprüfung von Erkenntnissen der Altertumskunde des 19. Jahrhunderts einen entscheidenden Beitrag leisten kann.
Bau und technische Konzeption
Der Bau des Schilfbootes für ABORA V soll erneut in Huatajata am Titikakasee erfolgen. Im Inca Utama Hotel (Crillon Tours & SPA) stehen gemeinsam mit den Aymara-Bootsbauern der Familie Limachi optimale Bedingungen für den Bau zur Verfügung.
Der Rumpf ist mit einer Länge von 14 Metern und einer Breite von lediglich 4 Metern geplant, um eine hohe Rumpfgeschwindigkeit bei gleichzeitig guter Am-Wind-Eigenschaft zu erreichen. Parallel zum Rumpfbau werden die Mitglieder des ABORA-Vereins die Aufbauten fertigen, darunter: die beiden Kajüten, Mast und Takelage sowie die Doppelruderanlage. Die positiven Erfahrungen mit den verlängerten Kajüten für die rauen atlantische Seebedingungen werden auf ABORA V auf ihre Bewährungsprobe gestellt.
Ein Jahr später sollen alle Komponenten in Cascais nahe Lissabon (Portugal) zu einem vollständigen Schiff zusammengefügt werden. Der dortige Yachtclub unterstützt das Projekt logistisch und technisch bei den anspruchsvollen Arbeiten. Auch die Stadt Cascais begleitet die Expedition aktiv.
Der konkrete Startzeitpunkt der Seereise hängt von der finalen Finanzierung ab. Erste namhafte Unternehmen haben ihr Interesse angezeigt, darunter die österreichische TGI AG (Treue Gold Investment).
Fazit und Ausblicke
ABORA V bündelt mehr als zwei Jahrzehnte experimenteller Seefahrtforschung zu einer Expedition, die methodisch neue Maßstäbe setzt. Erstmals soll eine kontrollierte, gezielte transatlantische Navigation mit einem vorgeschichtlich rekonstruierten Schilfboot nachgewiesen werden.
Hinweise auf mögliche frühe transatlantische Kontakte ergeben sich dabei auch aus der Verbreitung der Negade-Kultur, deren charakteristische Schilfboote mit Dreieck-Quersegeln und Seitenschwertern nicht nur in Oberägypten, sondern auch in der Levante, Südspanien, auf Teneriffa und sogar in der Karibik (Kuba) dargestellt sind, ebenso wie aus vergleichbaren Mumifikationstechniken auf beiden Seiten des Atlantiks. Gelingt diese Fahrt, würde sie nicht nur zentrale Annahmen zur frühen Seefahrt neu bewerten, sondern auch zeigen, dass Experimentelle Archäologie ein unverzichtbares Instrument zur Überprüfung alter kulturhistorischer Hypothesen ist. ABORA V versteht sich damit nicht als Schluss, sondern als Impulsgeber für eine offene, transdisziplinäre Neubewertung früher globaler Kontakte.





