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Kapitel 1

Allgemeines – Das Rätsel der kanarischen Pyramiden

Die Stufenpyramiden der Kanarischen Inseln gehören zu den bis heute am kontroversesten diskutierten Bauwerken im atlantischen Raum. Obwohl sie seit Jahrhunderten bekannt sind, ist ihre Entstehungszeit, Funktion und kulturelle Einordnung nach wie vor ungeklärt. Während ein Teil der Forschung sie als neuzeitliche Agrarbauten oder Steinhaufen des 19. Jahrhunderts interpretiert, weisen zahlreiche strukturelle, astronomische und archäologische Merkmale auf eine deutlich ältere, möglicherweise vorgeschichtliche Herkunft hin.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Pyramidenkomplex von Güímar auf Teneriffa, der durch seine klare Stufenarchitektur, präzise Steinsetzung und wiederkehrende Ausrichtungsmuster auffällt. Vergleichbare Bauformen finden sich jedoch auch auf anderen Inseln des Archipels – darunter La Palma und Lanzarote – was gegen eine rein lokale oder kurzfristige Bautradition spricht. Vielmehr deutet die Verteilung der Bauwerke auf ein überregionales, kulturell verankertes Phänomen hin.

Die Diskussion um die kanarischen Stufenbauten berührt zentrale Fragen der Atlantikforschung: Wann wurden die Kanarischen Inseln erstmals dauerhaft besiedelt?
Welche technischen und kulturellen Fähigkeiten besaßen ihre frühen Bewohner – die Guanchen? Und standen sie möglicherweise in Kontakt mit Kulturen des Mittelmeerraums oder Nordafrikas, lange vor der europäischen Expansion?

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zu Kapitel 2 - Die OSL-Datierung der ersten Stufenbauten

Bisher geht man offiziell davon aus, dass die Kanarischen Inseln erst ziemlich spät um etwa 1.000 v. Chr. besiedelt wurden, vermutlich durch die Phönizier. Diese errichteten aber auch schon lange keine Stufenpyramiden mehr, sondern nutzten eine andere sakrale Architektur.

Aus diesem Grund lehnt die Mehrheit der Archäologen auch die Interpretation dieser Stufenbauten als Stufenpyramiden ab. Sie erkennen darin Steinlesehaufen zum Beräumen der Felder oder anderer landwirtschaftlicher Zwecke. Diese Interpretation steht jedoch im krassen Widerspruch zu Überlieferungen der ersten spanischen Chronisten, die den Legendenschatz der Guanchen aufzeichneten. Darin werden diese Stufenbauten klar als Produkte der Guanchen-Kultur für rituelle Zwecke definiert. Außerdem ist der Begriff „Stufenpyramide“ irreführend. Vielmehr müsste man sie nach altmesopotamischem Vorbild als „Zikkurate“ bezeichnen, da sie keine Grabmäler wie in Ägypten waren.

Die folgenden Teilprojekte widmen sich jeweils einem zentralen Aspekt dieses komplexen Forschungsfeldes: von der OSL-Datierung früher Stufenbauten über biochemische Analysen kanarischer Mumien bis hin zu astronomischen Ausrichtungen und außergewöhnlichen Einzelfunden wie dem Menschenzahn von Lanzarote. Gemeinsam sollen sie dazu beitragen, das Rätsel der kanarischen Pyramiden aus unterschiedlichen Blickwinkeln neu zu beleuchten – offen, überprüfbar und jenseits etablierter Deutungsmuster.