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Teilprojekt I

Das Cheops-Projekt – Das Eisen der Pharaonen

Zu Beginn des Cheops-Projekts stand die ordnungsgemäße Einholung einer offiziellen Forschungsgenehmigung für Arbeiten in der Großen Pyramide von Gizeh. Für Dr. Dominique Görlitz war dabei ein Punkt von zentraler Bedeutung: Er bestand ausdrücklich darauf, den damaligen Leiter des Gizeh-Plateaus, Gaber Ali Omar, persönlich zu treffen, um sich der Authentizität und Reichweite der Genehmigung zu versichern. Dieses Treffen fand statt und hatte weitreichende Konsequenzen: Der zuständige Ägyptologe begleitete und beaufsichtigte die Beprobung der Deckensteine der Königskammer persönlich.

Im Fokus der Untersuchung standen auffällige, zungenförmige dunkle Anhaftungen an der Unterseite der gewaltigen Granitbalken. Ursprünglich gingen die Forscher davon aus, dass es sich um organische Rückstände handeln könnte. Diese Annahme änderte sich jedoch schlagartig bei der ersten genauen Begutachtung vor Ort. Im Licht seiner Stirnlampe erkannte Görlitz einen metallischen Schwarzglanz – ein ein Phänomen, das bereits Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert n. Chr. als charakteristisches Merkmal von Eisenbearbeitung beschrieben hatte.

Daraufhin wurde die Probenstrategie angepasst. Mittels eines schonenden „Flaking“-Verfahrens – dem vorsichtigen Abschaben winziger Partikel mit einem Meißel – wurden Milligramm kleine Proben der hauchdünnen Patina von der Unterseite der Deckenblöcke entnommen. Noch vor Ort führte Görlitz im Hotel einen einfachen, aber entscheidenden Test durch: Mit einem Magneten konnte er zeigen, dass die gewonnenen Partikel im Magnetfeld reagierten. Dieses Verhalten ist eindeutig – nur Eisen und sein Oxid Magnetit zeigen eine solche Reaktion.

Die anschließenden Laboranalysen in Dresden bestätigten diese Beobachtungen eindeutig. Sowohl spektroskopische Untersuchungen als auch XPS-Analysen (Röntgen-Photoelektronenspektroskopie) wiesen Magnetit (Fe₃O₄) als Hauptbestandteil der schwarzen Patina nach.

Wichtige fachliche Unterstützung erhielt Görlitz zudem von dem Eisenspezialisten Prof. Dr. Bernd Lychatz von der TU Bergakademie Freiberg. Lychatz wies darauf hin, dass Magnetit typischerweise als Zunder bei der Hochtemperaturkorrosion während des Ausschmiedens von Eisenblechen entsteht. Eine solche Zunderschicht könne sich – so seine Einschätzung – bei wiederholtem Transportieren, Absetzen und Anheben schwerer Steinblöcke auf eisenbewehrten Hebehilfen in den Granit eindrücken.

Diese Interpretation wurde durch elektronenmikroskopische Aufnahmen der Patina gestützt, die eine mechanische Einprägung der magnetithaltigen Schicht erkennen lassen. Die Befunde wurden von unabhängigen Spezialisten begutachtet und später auch im Cheops-Film dokumentiert.

Aus diesen Erkenntnissen entwickelte Dominique Görlitz in der Folge die Keil-Hebe-Technik weiter – ein Ansatz, der den Einsatz einfacher eiserner Werkzeuge und Hebesysteme beim Bau der Cheops-Pyramide plausibel macht und den Kern der folgenden experimentellen Untersuchungen bildet.

Ein Spektrogramm eines schwarzen Partikels. Die Elementanalyse zeigt als häufigste Elemente Eisen und Sauerstoff. Das entspricht einem Eisenoxid. 

Das rekonstruierte XPS-Profil einer Probe. Das Ergebnis ist eindeutig: Die dominante Verbindung in der schwarzen Schicht ist Magnetit (Fe3O4). Neben ein wenig Ferrit ist das völlige Fehlen von Hämatit (Fe2O3) ein wichtiges Resultat der Untersuchung.

Ergänzende Analyse: Farbanhaftungen in der obersten Entlastungskammer

Ali Gaber Omar stimmte der zusätzlichen Untersuchung unter zwei Bedingungen zu:

1. der strikten Einhaltung des Zeitplans; 2. der aktiven Mitwirkung an der Erstveröffentlichung der Analyseergebnisse. Beide Bedingungen wurden akzeptiert. Für Görlitz war es eine Selbstverständlichkeit und zugleich eine Ehre, diese Untersuchung in enger Zusammenarbeit mit einem hochrangigen ägyptischen Fachvertreter durchzuführen.

 

Es folgte der anspruchsvolle Aufstieg in die oberste Entlastungskammer. Gemeinsam mit dem Kameramann beprobte Görlitz etwa zwei Meter entfernt von der Cheops-Kartusche eine kleine, bereits vorgeschädigte rote Hieroglyphe. Die entnommene Farbanhaftung umfasste weniger als 0,5 cm² und wurde zusammen mit den zuvor gewonnenen Proben zur weiteren Analyse gegeben.

Von besonderer Bedeutung war dabei eine Beobachtung aus der praktischen Erfahrung vor Ort: Die rote Inschrift war nicht direkt auf den Kalksteinblock aufgetragen, sondern als eine Art Fresko auf einer vorher aufgebrachten Gipsschicht. Diese Beobachtung widerspricht der häufig vertretenen Erklärung, es habe sich bei den Zeichen um einfache Steinmetz- oder Markierungszeichen gehandelt, die vor dem Einbau der Blöcke angebracht worden seien.

Zumindest die Inschriften auf den Giebelblöcken können demnach erst nach dem Einsetzen der Steine und dem Aufbringen der Gipsschicht ausgeführt worden sein. Diese Feststellung hat weitreichende Konsequenzen für die Interpretation der Malereien und bildet einen wichtigen Bestandteil der weiterführenden Diskussion um die Baugeschichte der Cheops-Pyramide.

 

Durch den Wechsel der Probenmethode auf das Flaking-Verfahren konnte ein erheblicher Zeitgewinn erzielt werden. Die ursprünglich eingeplante Zeit für das aufwendige Ablösen vermeintlich organischer Anhaftungen wurde nicht benötigt. Vor diesem Hintergrund wandten sich Görlitz und Erdmann an den Leiter des Gizeh-Plateaus, Ali Gaber Omar, mit der Anfrage, die verbleibenden eineinhalb Stunden für einen Aufstieg in die Entlastungskammern über der Königskammer zu nutzen.

 

Dem Chefinspektor wurde offen die Intention des Vorhabens dargelegt: die Beprobung einer unbedeutenden Farbanhaftung im Bereich der von Howard Vyse entdeckten Malereien. Ziel dieser Untersuchung war es, Hinweise auf altägyptische, hämatithaltige Pigmente zu gewinnen. Hintergrund war eine seit fast 200 Jahren andauernde Kontroverse zwischen Ägyptologen und unabhängigen Forschern über die Authentizität der berühmten Kartusche mit dem Namen des Bauherrn „Cheops“ (ägyptisch: Chufu).

Die ersten Tests der Farbpartikel waren sehr schwierig, weil rote Farben im Elektronenmikroskop praktisch unsichtbar sind. … Die Farbanalysen wurden durch den Cheops-Skandal abrupt gestoppt und die Proben nach Ägypten zurückgeschickt.

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zu Teil 2 Das Cheops-Projekt: Skandal