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Teilprojekt II

Das Cheops-Projekt – Der Cheops-Skandal

Im Rahmen der regelmäßig durchgeführten ABORA-Kongresse, die in Zusammenarbeit mit dem Galileo-Park Lennestadt und Nuoviso TV stattfanden, stellten Dr. Dominique Görlitz und Stefan Erdmann ihre ersten Ergebnisse aus den archäometrischen Untersuchungen in der Cheops-Pyramide öffentlich vor. Die Kombination aus Bildmaterial, Filmdokumentationen und wissenschaftlichen Erläuterungen führte zu einer raschen Verbreitung der Inhalte – weit über den eigentlichen Fachkreis hinaus.

Zu den externen Beobachtern gehörte auch Osama Karar, Pressesprecher der Egypt’s Heritage Task Force. Karar interpretierte die öffentlich zugänglichen Medien jedoch falsch und ging irrtümlich von einer illegalen Beprobung in der Cheops-Pyramide aus. Anstatt die amtierenden ägyptischen Behörden zu kontaktieren, informierte er den zu diesem Zeitpunkt bereits abgesetzten Antikenminister Zahi Hawass. Diese Fehlannahme bildete den Ausgangspunkt für eine Eskalation, die schließlich in einem der größten Skandale der jüngeren Archäologiegeschichte mündete.

Innerhalb kürzester Zeit verbreiteten sich die Vorwürfe zunächst in ägyptischen Medien, kurz darauf international. Das Cheops-Projekt geriet damit zunehmend in den Strudel archäologischer, medialer und politischer Interessen. Am 10. Dezember 2013 verschärfte Zahi Hawass die Situation entscheidend mit einer Veröffentlichung in der Tageszeitung Al Masry Al Youm. Darin beschuldigte er Görlitz und Erdmann unter anderem, die Cheops-Kartusche im Auftrag des belgischen Pyramidenforschers Robert Bauval gestohlen zu haben. Zudem behauptete Hawass, die Forscher hätten beweisen wollen, dass die Inschrift 15.000 Jahre alt sei – eine Behauptung, die weder Inhalt der Studie war noch jemals von den Beteiligten vertreten wurde.
Weiter sprach Hawass von „Vandalismus“ und einem „kriminellen Einbruch in die Pyramide“. Diese Anschuldigungen markierten den Wendepunkt: Die wissenschaftlichen Befunde – insbesondere der Nachweis von Eisenrückständen in der Königskammer – traten vollständig in den Hintergrund. Fortan dominierte der Cheops-Skandal die öffentliche Wahrnehmung.

Eine vollständige Darstellung aller Entwicklungen würde den Rahmen dieser Webseite sprengen. Detailliert sind sie im Buch „Das Cheops-Projekt“ (2016) dokumentiert. An dieser Stelle sollen drei zentrale Aspekte hervorgehoben werden.

Diese Bilder dokumentieren, dass uns die Inspektoren zum Aufstieg in die Entlastungskammern tatkräftig unterstützten. Der Vorwurf von Hawass eines kriminellen Einbruchs und Diebstahls ist damit widerlegt. Unsere Forschungen waren angemeldet und wir wurden von drei erfahrenen Ägyptologen beaufsichtigt.

Eine Untersuchungskommission der Antikenbehörde kletterte am 17. Dezember 2013 in die oberste Entlastungskammer. Das Ziel war die Beschädigung der Cheops-Kartusche festzustellen. Der im Bild zusehende Inspektor fand vier deutliche Meiselspuren am Rand der Cheops-Kartusche.

Dieses Foto (rechts) zerstörte jegliche Hoffnung auf eine gütliche Einigung im Cheops-Skandal. Die vier grünen Kreise markieren die Beschädigungen, die wir angeblich dieser Kartusche zugefügt haben sollen…

Cheopsskandal dt.:

1. Der Versuch der unmittelbaren Aufklärung

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe nahm Dominique Görlitz Kontakt zu dem bekannten Ägyptologen Ahmed Osman auf, der ihn an den amtierenden Antikenminister Mohamed Ibrahim vermittelte. In Gesprächen wurden sämtliche Genehmigungen, Abläufe und Analyseergebnisse offengelegt. Zunächst schien dieser Weg Erfolg zu haben.

Über die staatliche Nachrichtenagentur MENA wurde zudem unsere Entschuldigung veröffentlicht. Am 27. Dezember 2013 erschien im Egyptian Independent eine offizielle Stellungnahme des Ministeriums mit der Überschrift: „Deutsche Archäologen werden nicht für das Stehlen der Cheops-Artefakte bestraft.“ Minister Ibrahim erklärte darin, dass es zwar Unregelmäßigkeiten im Genehmigungsverfahren gegeben habe, diese jedoch auf ägyptischer Seite lägen. Zugleich wies er Hawass öffentlich zurecht und deutete an, dass unter dessen Verantwortung im Jahr 2006 Vorgänge in der Cheops-Pyramide stattgefunden hätten, die bekannt seien. Die Tragweite dieser Aussage sollte sich erst später erschließen.

 

Dr. Dominique Görlitz erhielt von Prof. Robert Schoch die entscheidende Hilfe durch die beiden Fotos der Cheops-Kartusche von 2003 und 2006.

2. Die Rolle externer Fachkollegen

Die Anschuldigungen führten zudem zu einem erstmaligen persönlichen Kontakt zwischen Görlitz und Robert Bauval, einem der bekanntesten unabhängigen Pyramidenforscher. Nach einem klärenden Gespräch sagte Bauval seine Unterstützung zu. Er vermittelte den Kontakt zu Prof. Robert Schoch (Boston University College), der Bildmaterial der Cheops-Kartusche aus den Jahren 2003 und 2006 zur Verfügung stellte.

Bei der gemeinsamen Auswertung zeigte sich, dass die angeblich von Görlitz verursachten Meißelspuren bereits vor 2013, nämlich spätestens 2006, vorhanden gewesen sein mussten. Genau auf diesen Zeitraum hatte Minister Ibrahim zuvor indirekt hingewiesen. Trotz gemeinsamer Pressemitteilungen und öffentlicher Stellungnahmen ließ sich die Eskalation jedoch nicht mehr aufhalten.

Auf dem 2. Cheops-Kongress in Lennestadt trafen sich aller Unterstützer von Dominique Görlitz:
(v.l.n.re.) Jean-Paul Bauval, Dr. Dominique Görlitz, Prof. David Rohl, Stefan Erdmann, Robert Bauval und Prof. Robert Schoch.

3. Juristische Folgen und persönliche Konsequenzen

Die Situation kulminierte in einem ägyptischen Strafverfahren. Neun ägyptische und drei deutsche Beteiligte wurden in erster Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Es folgten schwerwiegende persönliche und berufliche Konsequenzen: der Abbruch eines laufenden Habilitationsverfahrens an der TU Dresden, der Ausschluss aus dem Explorers Club New York, die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem ZDF sowie weitere öffentliche Diffamierungen. Görlitz und Erdmann wurden zudem mit einer Interpol-Red-Notice belegt. In der Folge kam es zu zeitweisen Festnahmen in Oman (Görlitz) und Kroatien (Erdmann).

Um diese Situation zu klären, blieb nur der Weg der Berufungsverfahren in Ägypten. Unterstützt vom ägyptischen Anwalt Shaheen Hamed führte insbesondere Görlitz zwei umfangreiche Verfahren durch. Zunächst wurden die sechs ägyptischen Kollegen 2016 des Vorwurfs der Beteiligung freigesprochen – nach teils mehrjähriger Haft. Im ersten eigenen Berufungsverfahren von 2017 wurde anerkannt, dass es sich bei den Arbeiten um eine wissenschaftliche Studie und nicht um kriminelle Handlungen gehandelt hatte. Die Interpol-Fahndung wurde daraufhin aufgehoben.

Ein zweites Berufungsverfahren, das erst 2021 abgeschlossen wurde, diente der vollständigen Rehabilitierung Görlitz’ auch hinsichtlich der verbliebenen Vorwürfe. Die juristische Aufarbeitung erstreckte sich über mehr als fünf Jahre und verursachte Kosten von rund 80.000 Euro.

Dieses Foto untermauert die Behauptung Görlitz:
Der weiße Pfeil (links) makiert die Lage der Cheops-Kartusche. Görlitz zeigt rechts in die Ecke, wo er eine unbedeutende Malerei beprobte. Dies hatte er mit dem Inspektor der Antikenbehörde so zuvor besprochen.

Zwei bearbeitete Aufnahmen der beschädigten Kartusche aus den Jahren 2006 und 2013: Links das Foto von Prof. Robert Schoch. Rechts das Foto von der Antikenbehörde. Die Kreise auf beiden Bildern beweisen kategorisch, dass es sich exakt um die gleichen Beschädigungen handelt. Frage: Wer hat von diesen inoffiziellen Beprobungen gewusst? Und warum wurde das 2006 durch die Behörde unter Hawass nicht kommuniziert? Warum wurden uns im Jahr 2013 diese Beschädigungen an der Kartusche angelastet?

Fazit des Skandals

Der Cheops-Skandal steht exemplarisch für die Risiken, denen sich Bürgerforschung (Citizen Science) an ikonischen Monumenten aussetzt. Fehlinterpretationen, mediale Dynamiken und politische Interessen überlagerten zeitweise vollständig die wissenschaftlichen Fakten. Erst durch langjährige juristische Verfahren konnten zentrale Vorwürfe entkräftet werden. Mit der Aufhebung der Interpol-Maßnahmen war es Dominique Görlitz schließlich möglich, seine Forschung fortzusetzen – und unter anderem die ABORA-IV-Expedition vorzubereiten.

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zu Teil 3 Das Cheops-Projekt: Keil-Hebe-Experiment