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TF 2025 Vorbereitung OSL:

Kapitel 2

Die OSL-Datierung der ersten Stufenbauten

Ein zentrales Anliegen des Kanaren-Pyramiden-Projekts ist die objektive zeitliche Einordnung der Stufenbauten. Da an den meisten Pyramidenanlagen keine organischen Materialien für klassische C14-Datierungen erhalten sind, war es notwendig, auf alternative naturwissenschaftliche Verfahren zurückzugreifen. Aus diesem Grund fiel die Wahl auf die OSL-Datierung (Optically Stimulated Luminescence) – eine Methode, die sich besonders für die Datierung von sedimentären und baulichen Kontexten eignet. Es gelang die beiden Spezialisten für OSL-Datierung zu gewinnen: Dr. Georgios Polymeris, Oberflächen-OSL (Athen) und Dr. Jorge S. Sanchez, Boden-OSL (A Coruña).

Die OSL-Datierung ermöglicht es, den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem Mineralkörner (meist Quarz oder Feldspat) zuletzt dem Sonnenlicht ausgesetzt waren. Sobald Sedimente verbaut oder überdeckt werden, beginnt sich durch natürliche Umgebungsstrahlung eine messbare Lumineszenz aufzubauen. Durch gezielte Lichtstimulation im Labor kann diese gespeicherte Energie ausgelesen werden. Das Ergebnis erlaubt eine Datierung des Moments, an dem das Material letztmalig bewegt, abgelagert oder verbaut wurde – ein entscheidender Vorteil gegenüber Methoden, die lediglich organische Reste datieren.

Das Bild zeigt den Komplex von Santo Domingo. Diese und die im oberen Bild im Komplex San Marcos befindliche Stufenpyramide wurden bei der ersten OSL datiert.

Das OSL-Team an der Stufenpyramide von Santo Domingo: (v.l.n.re.) Julia & Gustavo, Michael Rappenglück, Beatriz G. Girona, Dominique Görlitz und untere Reise – Georgios Polymeris, Ramon Zürcher und Jorge Sánchez.

Im Rahmen des Projekts wurden gezielt Sedimentproben aus konstruktiv relevanten Bereichen von zwei nördlichen Stufenpyramiden-Komplexen entnommen: San Marcos und Santo Domingo. Beide liegen zwischen Puerto de la Cruz und Icod. Besonderes Augenmerk lag dabei auf Schichten, die eindeutig mit der Errichtung der Pyramiden in Zusammenhang stehen, etwa Unterbauhorizonte, Rampen und verfüllte Zwischenräume. Die Probenentnahme erfolgte lichtgeschützt und nach internationalen Standards, um Verfälschungen der Messergebnisse auszuschließen.

Die ersten OSL-Ergebnisse liefern überraschend frühe Datierungen, die deutlich vor dem 19. Jahrhundert liegen und sich nicht mit der These rein neuzeitlicher Agrarbauten vereinbaren lassen. Stattdessen deuten sie auf Bauphasen hin, die in vorgeschichtliche oder frühhistorische Zeiträume zurückreichen: etwa 400 bis 600 Jahre vor heute. Die endgültigen Resultate kommen in wenigen Wochen. Diese Resultate stehen im Einklang mit architektonischen Beobachtungen wie der systematischen Stufenform, der bewussten Ausrichtung einzelner Bauwerke sowie der archäoastronomischen Ausrichtungen der meisten Stufenbauten.

Besonders bedeutsam ist dabei, dass die OSL-Daten inselübergreifend vergleichbare Zeitfenster nahelegen. Dies spricht gegen die Steinhaufen-Theorie (span. majanos) und stützt die Annahme einer kulturell verankerten Bautradition, die über Generationen hinweg gepflegt wurde. Die Stufenpyramiden erscheinen damit nicht als zufällige Nebenprodukte landwirtschaftlicher Nutzung, sondern als gezielt errichtete Bauwerke mit funktionaler oder kultisch-ritueller Bedeutung.

Die OSL-Datierung bildet somit eine tragende Säule des Kanaren-Pyramiden-Projekts. Sie liefert erstmals eine methodisch unabhängige Zeitachse, auf deren Grundlage die weiteren Teilprojekte – bioarchäologische Analysen, astro-archäologische Untersuchungen und Einzelfunde – sinnvoll eingeordnet und miteinander verknüpft werden können.

Die OSL-Proben wurden alle nach A Coruña gebracht und dort am Institut der Universität von Jorge und Georgios für die Lichtmessung aufwendig vorbereitet. Dieser Prozess dauerte mehrere Monate.

TF OSL Hauptfilm 01 2025:

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