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DILMUN II

Das erste Schilfboot mit Seitenschwertern

Ziel

Erlernen der Seitenschwert-Segeltechnik

Größe

Länge 6 m, Breite 2 m, Gewicht 1 t, Segelfläche ca. 20 m²

Material

Europäisches Schilfrohr

Segelfähigkeit

Erstmals Kurse halb am Wind (90°)

Einsatzgebiet

Wangenheimer Stausee nahe Gotha/Thüringen

Zielsetzung

DILMUN II entstand als direkte Konsequenz aus den Erfahrungen mit DILMUN I. Der vorzeitige Abbruch des ersten Großexperiments hatte trotz aller Enttäuschung eine zentrale Erkenntnis geliefert: Schilfboote reagieren differenzierter auf Wind und Welle, als bislang angenommen. Insbesondere die Beobachtung, dass sich die DILMUN I zeitweise quer zum Wind ausrichtete, stellte das bis dahin vorherrschende Dogma infrage, wonach Schilfboote ausschließlich auf reinen Vorwindkursen manövrierfähig seien.

Ziel von DILMUN II war es daher, diese Beobachtungen systematisch zu überprüfen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich durch einfache konstruktive Ergänzungen – insbesondere durch steuernde Kielschwerter – einfache am Rumpf – eine kontrollierte Kursführung ermöglichen ließe. Grundlage hierfür bildeten neu gewonnene archäologische Hinweise aus Ägypten, die auf bislang übersehene Steuerhilfen an prähistorischen Schilfbooten hindeuteten.

Das Experiment wurde erstmals vom MDR dokumentiert. Außerdem fertigte die Redakteurin der TA Thüringen Claudia Klinger eine umfassende Fotostrecke über die Phasen des Experiments in Schwarzweiß an.

Archäologischer Impuls

Während ihrer Ägyptenreise im Jahr 1992 waren Dominique Görlitz und Cornelia Lorenz auf die prädynastische Negada-Kultur aufmerksam gemacht worden. Besonders auf Felsbildern aus dem Wadi Hammamat (Oberägypten) zeigten sich Darstellungen von Schilfbooten, an deren Bug- und Heckpartien einfache Strichmarkierungen erkennbar waren.

Görlitz interpretierte diese Zeichen erstmals nicht als rein dekorative Elemente, sondern als Hinweise auf primitive Kiel- oder Seitenschwerter, die der Stabilisierung und Steuerung dienten. Diese Hypothese widersprach der gängigen Lehrmeinung, nach der prähistorische Schilfboote als weitgehend steuerlos galten.

DILMUN II sollte diese Annahme nun experimentell überprüfen.

Bau und technische Neuerungen

Der Bau von DILMUN II erfolgte erneut nahe Gotha, wobei die Erfahrungen aus den Vorexperimenten von der DILMUN I gezielt einflossen. Der Rumpf blieb in seiner Grundform einem klassischen Schilffloß treu.  In nur zweiwöchiger Bauzeit bauten die Crew einen sechs Meterlangen und etwa 1 t schweren Floßkörper. Dieser wurde erstmal nach vorägyptischen Felsbildern aufgetakelt.

Zentrale Neuerung waren einfach konstruierte Kiel- bzw. Seitenschwerter, die an Bug und Heck angebracht wurden – in direkter Anlehnung an die prädynastischen Felsbilddarstellungen Oberägyptens. Ergänzend wurden Mastposition und Segelgröße bewusster aufeinander abgestimmt, um den Einfluss von Winddruck und Lateralwiderstand besser kontrollieren zu können.

Ziel war nicht Perfektion, sondern ein Experiment: DILMUN II verstand sich ausdrücklich als schwimmendes Versuchslabor.

Erprobung und Fahrversuche

Der Bau von DILMUN II erfolgte erneut nahe Gotha, wobei die Erfahrungen aus den Vorexperimenten von der DILMUN I gezielt einflossen. Der Rumpf blieb in seiner Grundform einem klassischen Schilffloß treu.  In nur zweiwöchiger Bauzeit bauten die Crew einen sechs Meterlangen und etwa 1 t schweren Floßkörper. Dieser wurde erstmal nach vorägyptischen Felsbildern aufgetakelt.

Zentrale Neuerung waren einfach konstruierte Kiel- bzw. Seitenschwerter, die an Bug und Heck angebracht wurden. Das Wangenheimer DILMUN II Projekt bestätige damit zwei Jahre nach der Entdeckung jener bis dato unbekannten Felsbilddarstellungen in Oberägyptens die unglaubliche Segel- und Manövrierbarkeit von besegelten Schilfbooten. Die „Prophezeiung“ des jungen Ägyptologen aus Kairo (1992), sich von den alten Thesen Heyerdahl zu distanzieren, und neue Quellen in Betrachtung zu ziehen, erfüllte sich nur ein Jahr später auf diesen nur 60 ha kleinen Stausee in der Mitte Thüringens: „Für meine späteren Forschungen sollte diese Erfahrung sehr wichtig werden, denn die Hinterlassenschaften der prädynastischen Negade-Kulturen (3.900 – 3.100 v. Chr.) sollten mich 30 Jahre später völlig unerwartet auf dem Atlantik wieder einholen…“ (-> Kanaren & Kuba-Projekt). Erstmals wurden bei DILMUN II die Mastposition und die Segelgröße bewusster aufeinander abgestimmt, um den Einfluss von Winddruck und Lateralwiderstand besser kontrollieren zu können.

Ziel war nicht Perfektion, sondern das Experiment: DILMUN II verstand sich ausdrücklich als schwimmendes Versuchslabor.

Bedeutung innerhalb der DILMUN-Reihe

Mit DILMUN II vollzog sich ein entscheidender Schritt: Aus einem mutigen, aber weitgehend intuitiven Experiment wurde eine gezielte, hypothesengeleitete Versuchsanordnung. Die Erkenntnisse aus DILMUN II bildeten die technische Grundlage für alle weiteren Schilfbootprojekte von Dominique Görlitz.

Erstmals wurde deutlich, dass:

  • prähistorische Schilfboote steuerfähig sein können,
  • einfache konstruktive Mittel ausreichen, um Halbwind- und Am-Wind-Kurse zu ermöglichen,
  • und viele traditionelle Annahmen über frühe Seefahrt einer Neubewertung bedürfen.

DILMUN II markiert damit den Übergang von der Beobachtung zur Erkenntnis – und öffnete den Weg für größere, kühnere Experimente. Der logische Schritt bestand nun darin, dass noch gut intakte Schilffahrzeug zu konservieren, mit einer Lage neuem Schilf zu erweitern und ein Jahr später erneut auf der Ostsee zu testen. Durch den ersten Erfolg von DILMUN II traute sich Görlitz Kontakt mit der Organisation der Kieler Woche aufzunehmen, die ihn und seine Crew tatsächlich 1994 zur 100. Kieler Woche in den Olympiahafen Schilksee einzuladen.

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zur DILMUN III