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DILMUN II
The first reed boat with side swords
Objective
DILMUN II was developed as a direct consequence of the experiences gained with DILMUN I. Despite all the disappointment, the premature termination of the first large-scale experiment had provided a key insight: reed boats react to wind and waves in a more differentiated way than previously assumed. In particular, the observation that DILMUN I occasionally aligned itself perpendicular to the wind challenged the prevailing dogma that reed boats could only be maneuvered on pure downwind courses.
Ziel von DILMUN II war es daher, diese Beobachtungen systematisch zu überprüfen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich durch einfache konstruktive Ergänzungen am Rumpf – insbesondere durch steuernde Kielschwerter –eine kontrollierte Kursführung ermöglichen ließe. Grundlage hierfür bildeten neu gewonnene archäologische Hinweise aus Ägypten, die auf bislang übersehene Steuerhilfen an prähistorischen Schilfbooten hindeuteten.
Das Experiment wurde erstmals vom MDR dokumentiert. Außerdem fertigte die Redakteurin der Thüringer Allgemeinen Claudia Klinger eine umfassende Fotostrecke über die Phasen des Experiments in Schwarzweiß an.
Archaeological impulse
During their trip to Egypt in 1992, Dominique Görlitz and Cornelia Lorenz were made aware of the predynastic Negada culture. Rock paintings from Wadi Hammamat (Upper Egypt) in particular showed depictions of reed boats with simple line markings visible on their bows and sterns.
Görlitz interpretierte diese Zeichen nicht als rein dekorative Elemente, sondern als Hinweise auf primitive Kiel- oder Seitenschwerter, die der Stabilisierung und Steuerung dienten. Diese Hypothese widersprach der gängigen Lehrmeinung, nach der prähistorische Schilfboote als weitgehend steuerlos galten.
DILMUN II was designed to test this hypothesis experimentally.
Der Bau von DILMUN II erfolgte erneut nahe Gotha, wobei die Erfahrungen aus den Vorexperimenten von der DILMUN I gezielt einflossen. Der Rumpf blieb in seiner Grundform einem klassischen Schilffloß treu. In nur zweiwöchiger Bauzeit bauten die Crew einen sechs Meter langen und etwa 1 t schweren Floßkörper. Dieser wurde erstmal nach vorägyptischen Felsbildern aufgetakelt.
The key innovation was the simple design of keels and side keels, which were attached to the bow and stern – directly inspired by pre-dynastic rock paintings in Upper Egypt. In addition, the position of the mast and the size of the sails were more carefully coordinated in order to better control the influence of wind pressure and lateral resistance.
The goal was not perfection, but rather an experiment: DILMUN II was explicitly conceived as a floating test laboratory.
Testing and road trials
DILMUN II was once again built near Gotha, incorporating the experience gained from the preliminary experiments with DILMUN I. The hull remained true to the basic form of a classic reed raft. In just two weeks, the crew built a six-meter-long raft weighing around 1 ton. This was first rigged according to pre-Egyptian rock paintings.
Zentrale Neuerung waren einfach konstruierte Kiel- bzw. Seitenschwerter, die an Bug und Heck angebracht wurden. In Verbindung mit einer bewussteren Abstimmung von Mastposition und Segelgröße ließ sich der Einfluss von Winddruck und Lateralwiderstand deutlich besser kontrollieren. Das Wangenheimer DILMUN II Projekt bestätige damit zwei Jahre nach der Entdeckung jener bis dato unbekannten Felsbilddarstellungen in Oberägypten die unglaubliche Segel- und Manövrierbarkeit von besegelten Schilfbooten. Gleichzeitig erfüllte sich die „Prophezeiung“ eines jungen Ägyptologen aus Kairo (1992), sich von den klassischen Thesen Thor Heyerdahls zu distanzieren und neue Quellen in Betracht zu ziehen.
Die auf dem nur rund 60 ha großen Stausee in der Mitte Thüringens gewonnenen Erfahrungen sollten für seine späteren Forschungen von großer Bedeutung werden:
„Für meine späteren Forschungen sollte diese Erfahrung sehr wichtig werden, denn die Hinterlassenschaften der prädynastischen Negade-Kulturen (3.900–3.100 v. Chr.) sollten mich 30 Jahre später völlig unerwartet auf dem Atlantik einholen …“ (-> Kanaren & Cuba Project). Erstmals wurden bei DILMUN II die Mastposition und die Segelgröße bewusster aufeinander abgestimmt, um den Einfluss von Winddruck und Lateralwiderstand besser kontrollieren zu können.
The goal was not perfection, but experimentation: DILMUN II explicitly saw itself as a floating experimental laboratory.
Significance within the DILMUN series
DILMUN II marked a decisive step: a bold but largely intuitive experiment evolved into a targeted, hypothesis-driven experimental setup. The findings from DILMUN II formed the technical basis for all subsequent reed boat projects by Dominique Görlitz.
For the first time it became clear that:
- prehistoric reed boats may be steerable,
- simple constructive means are sufficient to enable beam reach and upwind courses,
- and many traditional assumptions about early seafaring need to be reassessed.
DILMUN II markiert damit den Übergang von der Beobachtung zur Erkenntnis – und öffnete den Weg für größere, kühnere Experimente. Der logische Schritt bestand nun darin, dass noch gut intakte Schilffahrzeug zu konservieren, mit einer Lage neuem Schilf zu erweitern und ein Jahr später erneut auf der Ostsee zu testen. Durch den ersten Erfolg von DILMUN II traute sich Görlitz Kontakt mit der Organisation der Kieler Woche aufzunehmen, die ihn und seine Crew tatsächlich 1994 zur 100. Kieler Woche in den Olympiahafen Schilksee einluden.







