Unsere jüngste Reise zu den Pyramiden von Teneriffa markiert einen wichtigen Meilenstein in unserer Forschung. Im Zentrum stand die präzise Bestimmung der natürlichen Strahlung, um unsere OSL-Datierungen endgültig abzusichern. Dafür brachte Dr. Jorge Sánchez ein tragbares Gamma-Spektrometer mit – ein entscheidendes Instrument, um die Altersberechnungen der Pyramiden weiter zu verfeinern.
Neben den bereits untersuchten Anlagen von Santo Domingo und San Marcos konnten wir erstmals auch im Pyramidenpark von Güímar Messungen durchführen. Die erneute Unterstützung der Parkleitung und der Zugang zu den Stufenbauten sind für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert.
Ein besonderer Moment war das Treffen mit Prof. Carmen del Arco und der Parkleitung in Güímar: Die Präsentation unserer vorläufigen Ergebnisse sorgte für große Aufmerksamkeit – insbesondere aufgrund des unerwartet hohen Alters der Pyramiden. Eine Veröffentlichung konkreter Datierungen erfolgt derzeit bewusst noch nicht, da sich die finalen Ergebnisse erst nach vollständigem Abgleich der OSL-Signale mit der natürlichen Radioaktivität der Umgebung sowie den nun erhobenen Gamma-Strahlungswerten valide bestimmen lassen. Dieser letzte Schritt jedoch steht kurz bevor.
Gemeinsam mit unseren archäologischen Partnern planen wir nun eine öffentliche Präsentation der finalen Resultate Anfang Juli 2026 auf den Kanaren – ein Moment, der das Verständnis dieser Anlagen grundlegend verändern könnte. Wir informieren allen, wenn es soweit ist!

Die Stufenpyramiden auf den Kanaren beherbergen noch viele Rätsel. Neben ihrem Alter tappen die Forscher auch im Dunkeln, welche Funktion sie besaßen. Dieses Luftbild von den Stufenbauten in Santo Domingo offenbart, dass dieser Komplex möglicherweise ein riesiger Makrokalender war, um den Lauf der Gestirne in dem riesigen kesselartigen „Amphitheater“ zu bestimmen?

Dr. Jorge Sánchez brachte eigens ein Gamma-Spektrometer von seiner Universität in A Coruña mit. Damit konnten wir die Steine nach bestimmten Isotopien von drei Elementen ausmessen, die letztlich für die Endberechnung des Alters der OSL-Proben so wichtig sind.

Die Handhabung des Gerätes auf den steilen Pyramidenflanken war gar nicht so einfach. Zum einen mussten wir an die verschiedenen OSL-Probestellen klettern. Und dann dauerte eine Messung jeweils drei Minuten. Es wurden aber jedes Mal vier Konfigurationen gemessen, was für eine Messung allein zwölf Minuten bedeutet. Also eine Menge Arbeit in mehr als 10 m Höhe!!!

Bei der OSL-Datierung analysieren wir die Ladung, die in Mineralen entsteht, nachdem sie über Tausende von Jahren ionisierender Strahlung ausgesetzt waren. Gesteine enthalten natürlicherweise geringe Mengen an Uran, Thorium und anderen Radioisotopen. Diese Radioisotope emittieren Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Gammastrahlung hingegen muss direkt am Probenort gemessen werden, da sie eine Eindringtiefe von bis zu 30 cm in Gestein oder Sediment besitzt. Darum war die Arbeit vor Ort an den Pyramiden so wichtig!

Zum ersten Mal stellten Dr. Sánchez und ich die vorläufigen Messergebnisse einem Gremium auf den Kanaren vor. Neben der Leiterin Alicia B. Martin und den beiden kanarischen Archäologen Prof. Carmen del Arco und Beatriz G. Girona (alle drei rechts unten) nahmen auch die Witwe von Thor Heyerdahl (Jaqueline neben mir), unser Projektmanager Gustavo Sánchez und ein russischer Archäologe teil (oben von links nach rechts). Gemeinsam diskutierten wir die Bedeutung dieser neuen Daten für die Forschung auf den Kanarischen Inseln.

Nochmals der Einsatz des Spektrometers von Jorge auf der Santis-Pyramide. Dort wo er misst, ist der älteste Teil dieser Stufenpyramide. Von Jorge aus geht eine Rampe nach rechts unten. Diese wurde später vor den älteren Pyramidenstumpf davorgesetzt. Das kann man in den Ergebnissen der OSL deutlich ablesen! Das Gebiet auf dem die Pyramide steht wurde vor 60 Jahren künstlich mit Boden aufgeschüttet. Auch diesen „Event“ kann man in den OSL-Daten ablesen und bestätigen!