Im Rahmen unserer geplanten OSL-Konferenz am 3. Juli 2026 in Santa Cruz de Tenerife stellen wir die aktuellen Forschungsergebnisse vor, die das Verständnis der Besiedlung und kulturellen Entwicklung der Kanarischen Inseln grundlegend neu bewerten könnten. Im Zentrum stehen erstmals systematische OSL-Datierungen (Optically Stimulated Luminescence) an Stufenbauten aus Trockenmauerwerk – insbesondere an zwei Komplexen im Gebiet von Icod de los Vinos auf Teneriffa.
Die neuen Daten weisen darauf hin, dass diese Anlagen nicht historischen Ursprungs sind, sondern auf eine ältere, mehrphasige Nutzungsgeschichte zurückgehen, die weit bis in vorchristliche Zeiträume reicht. Damit stehen etablierte Modelle zur späten Besiedlung der Inseln zunehmend unter Revisionsdruck.
Diese Ergebnisse werfen weiterführende Fragen auf: Wenn Teile dieser Strukturen tatsächlich deutlich älter sind, welche kulturellen Impulse standen am Anfang ihrer Errichtung? Und in welchem Zusammenhang stehen sie mit möglichen frühen maritimen Kontakten im atlantischen Raum?
Begleitende Analysen aus Archäologie, Archäoastronomie und Biogeographie liefern zusätzliche Indizien dafür, dass die Kanaren nicht isoliert betrachtet werden können. Vielmehr könnten sie Teil eines größeren Netzwerks gewesen sein, das bereits in prähistorischer Zeit Fernkontakte und Wissensaustausch ermöglichte. In diesem Kontext gewinnen auch bislang randständige Hypothesen über frühe transatlantische oder mediterrane Verbindungen neue Relevanz.
Die OSL-Konferenz bringt internationale Expertinnen und Experten zusammen, um diese neuen Daten kritisch zu diskutieren und in einen größeren wissenschaftlichen Zusammenhang einzuordnen. Ziel ist es, die Konsequenzen dieser Datierungen offen zu beleuchten – sowohl für die Chronologie der Inselbesiedlung als auch für unser Verständnis früher maritimer Kulturen.
Stehen wir möglicherweise vor einer Neubewertung der atlantischen Frühgeschichte?
Programm:
11:00 Uhr Begrüßung durch José Carlos Acha Domínguez, Ratsvorsitzender der OAMC (Autonome Organisation der Museen und Zentren Teneriffas)
11:15 Uhr Begrüßung durch den Direktor des Archäologisches Museums und des Kanarischen Instituts für Bioanthropologie, Dr. Conrado Rodríguez-Maffiotte Martin, Teneriffa
11:30 Uhr „Das ABORA-Kanarenprojekt – Schlüssel zum vergessenen Ursprung der Guanchen“ Dr. Dominique Görlitz, Biogeograph, Deutschland, (Englisch)
12:15 Uhr „Typologie der Pyramiden der Kanarischen Inseln“ Gustavo R. Sánchez, Privatforscher, Teneriffa, (Spanisch)
12:45 Uhr „Die Nachtschattengewächse der Kanarischen Inseln und ihre ethnobotanische Bedeutung“, Dr. Jonay Cubas, Botaniker, Tenerife, (Spanisch)
14:15 Uhr „Aktueller Forschungsstand zu den Mumien der Kanarischen Inseln“ Dr. Dominique Görlitz & Dr. Jorge S. Sánchez, Kernphysiker, Spanien (Englisch)
14:00 PM Mittagspause
16:00 PM „Zusammenfassung zur Mumifizierung auf den Kanarischen Inseln“ Conrado Rodríguez-Maffiotte Martin, Bioanthropologe, Tenerife (Englisch?)
16:30 Uhr „OSL-Datierung zweier Pyramiden auf Teneriffa“ Dr. George Polymeris, Kernphysiker, Griechenland & Dr. Jorge S. Sánchez (Englisch)
17:15 Uhr „Stufenbauten auf Teneriffa: Architektur zwischen Landschaft, Himmel und Interpretation im Kontext der Kanarischen Inseln“
Dr. Michael Rappenglück, Vize Präs. der SEAG, Germany, (Englisch)
18:00 PM „Die Bedeutung der OSL-Studie für die Archäologie der Kanarischen Inseln“ Prof. Dr. Carmen del Arco, Archäologe, Teneriffa, (Spanisch)
18:30 Uhr Pause und zur Vorbereitung auf die Gesprächsrunde Diskussion
19:00 Uhr Moderierte Gesprächsrunde mit allen Referenten und dem Publikum
20:00 Uhr Informelles Beisammensein