Am 3. Juli fand im Museo de Naturaleza y Arqueología (MUNA) in Santa Cruz de Tenerife unsere internationale OSL-Konferenz statt. Neben den Wissenschaftlern des ABORA-Forschungsteams referierten und diskutierten auch führende Vertreter der kanarischen Archäologie und weiterer wissenschaftlicher Disziplinen. Im Mittelpunkt der Tagung standen erstmals die Ergebnisse unserer OSL-Datierungen (Optically Stimulated Luminescence).
Die aufwendigen Messungen ergaben für die beiden Bauwerke deutlich unterschiedliche Altersbereiche. Die Pyramidenanlage von Santo Domingo datiert nach den bisherigen Ergebnissen in die Zeit zwischen etwa 500 v. Chr. und den ersten Jahrhunderten n. Chr. Für die sogenannte Santi-Pyramide (San Marcos) weisen die OSL-Daten dagegen auf ein Alter zwischen etwa 2.400 und 2.700 v. Chr. hin.
Diese Ergebnisse bestätigen, dass die Santi-Pyramide um mehrere Jahrtausende vor den bislang vertretenen Auffassungen errichtet wurden. Damit ist die Theorie widerlegt, sie seien erst nach der spanischen Eroberung Teneriffas im Jahr 1494 als einfache Steinlesehaufen landwirtschaftlicher Siedler entstanden. Die neuen naturwissenschaftlichen Daten stellen diese Interpretation daher ernsthaft infrage und eröffnen eine neue wissenschaftliche Diskussion über Alter, Funktion und kulturellen Hintergrund dieser Monumente.
Unabhängig davon, welche Interpretationen sich künftig durchsetzen werden, markiert die gestrige Konferenz einen bedeutenden Moment für die archäologische Forschung auf den Kanarischen Inseln. Erstmals liegen naturwissenschaftliche Datierungen vor, die das bisherige Paradigma zum Alter einiger Pyramidenanlagen grundlegend herausfordern.
Wissenschaft lebt nicht vom Anspruch, endgültige Wahrheiten zu verkünden, sondern davon, bestehende Modelle anhand neuer Daten immer wieder kritisch zu überprüfen. Genau dazu bieten die jetzt vorgestellten OSL-Ergebnisse Anlass. Die kanarische Archäologie ist nun aufgerufen, ihre bisherigen Vorstellungen über die frühe Besiedlung der Inseln, die Entstehung dieser Stufenbauten sowie ihre kulturelle Bedeutung vor dem Hintergrund der neuen Befunde neu zu bewerten.

Unser OSL-Team stellt sich vor: Wissenschaftler, Betreuer und Kameraleute bereiteten professionell die Bühne für unseren großen Auftritt vor. Von links nach rechts: Matthias Kohl, Helge Seliger, Ramon Zürcher, Dr. Michael Rappenglück, Dr. Jorge Sánchez, Dr. Dominique Görlitz und Dipl. Gustavo Sánchez.

Mit meinem Vortrag eröffnete ich die Konferenz. Ich habe die neuen OSL Daten in den Kontext des bisherigen Wissens über das Alter, die Herkunft und die mögliche Urheberschaft der Stufenpyramiden gestellt. Zudem habe ich die einzelnen Teildisziplinen unserer Forschungen unserer Kollegen eingeführt.

Dr. Jorge Sánchez stellte auch im Namen seines griechischen Kollegen Dr. Georgios Polymeris die Forschungsergebnisse der OSL-Datierungen vor. Das erstaunliche Alter von über 4.600 Jahren wurde von allen Gästen sehr positiv aufgenommen.

Prof. Carmen del Arco äußerte sich als leitende Archäologin der Insel Teneriffa ebenfalls positiv zu unseren Datierungen. Sie weiß, dass mit diesem hohen Alter bisherige Modelle zur Besiedlung der Insel überarbeitet werden müssen. Natürlich teilt sie (noch) nicht alle unsere Interpretationen, aber diese Diskussionen unterschiedlicher Standpunkte sind einfach notwendig, um Pro & Contra zu bewerten.

In bewährte Weise gab es am Ende unsere Podiumsdiskussion. Nach meiner Eröffnung übernahm Jacqueline Heyerdahl (neben mir) das Wort und würdigte unsere Veranstaltung als Wendepunkt in der Erforschung der kanarischen Pyramiden. Alle Referenten kamen zu Wort und konnte ihre Standpunkte darlegen.

Im Auditorium saßen viele Schwergewichte der Kanarenforschung. Neben Prof. Pablo Atóche waren auch wichtige Forscher anderer Disziplinen. Darunter auch Juan Belmounte Aviles, Präsident der SEAG (European Society of Culture), der viele Jahre vor uns archäoastronomische Alignements auf den Kanarischen Inseln erforschte. Die Gespräche in den Pausen und auch nach dem Ende der Diskussion untermauerten, dass wir den Nerv der lokalen Wissenschaftler getroffen haben.

Der gesamte Kongress wurde im Auftrag von Nuoviso (Nuoflix) von dem Filmproduzenten und Kameramann Matthias Kohl aufwendig gefilmt. In den Pausen interviewten wir neben unseren Referenten auch etliche Zuschauer, die uns überaus positives Feedback attestierten.