Eine neue Veröffentlichung von Alberto Donini (University of Bologna) sorgt derzeit für Aufmerksamkeit in der Debatte um das Alter der Cheops-Pyramide. Donini stellt darin eine innovative Methode vor – die sogenannte Relative Erosion Method (REM). Sie basiert auf dem Vergleich zweier Erosionsmuster desselben Gesteinstyps unter identischen Umweltbedingungen: eines mit bekanntem Alter, eines mit unbekanntem. Aus dem Verhältnis der Erosionsgrade wird anschließend eine Altersabschätzung abgeleitet.

Donini kommt zu dem Ergebnis, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,2 % die Bauzeit der Cheops-Pyramide zwischen 10.979 und 38.903 v. Chr. liegen könnte, mit einem Durchschnittswert um 24.941 v. Chr. Eine solche Datierung würde sämtliche bisherigen archäologischen und naturwissenschaftlichen Befunde grundlegend in Frage stellen.

Eine ausführliche Auseinandersetzung würde hier den Rahmen sprengen. Deshalb nur drei zentrale Fakten, die gegen eine derart frühe Datierung sprechen:

  1. Der Papyrus von Wadi al-Dscharf dokumentiert detailliert den Transport von Tura-Kalksteinblöcken zur Verkleidung der Pyramide und datiert eindeutig in die Regierungszeit von Cheops (um 2.600 v. Chr.). Die C14-Analysen bestätigen diese Einordnung.
  2. AMS-Datierungen von Holzkohlefunden aus dem Kalkmörtel der Ecksteine ergaben Wachstumsdaten zwischen 3.030 und 2.905 v. Chr. – in enger Übereinstimmung mit weiteren C14-Daten aus den Arbeiterquartieren hinter der Chefren-Pyramide.
  3. Astro-archäologische Untersuchungen von Robert Bauval zeigen, dass die Ausrichtungen der sogenannten „Seelenschächte“ nur im Zeitraum zwischen 2.700 und 2.500 v. Chr. präzise zu den relevanten Sternkonstellationen passen.

Ich bin gespannt, wie die Fachwelt auf Doninis Ansatz reagieren wird. Nach heutigem Kenntnisstand halte ich diese extreme Frühdatierung jedoch für nicht haltbar. Unabhängig davon bleibt die Frage offen, ob einzelne Bauwerke auf dem Gizeh-Plateau – wie Taltempel und Sphinx – möglicherweise tatsächlich älter sind, als bislang angenommen, ein Aspekt, der weiterhin intensiv diskutiert werden sollte.

Über das Alter der Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau diskutierten bereits die Gelehrten der Antike. Wenn man den Überlieferungen eines der bedeutendsten Gelehrten Herodot (um 500 v. Chr.) folgt, wurde die größte Pyramide zuerst von Pharao Cheops (Khufu) in der 4. Dynastie vor 4.600 Jahren errichtet. Ob die megalithischen Großsteinbauten unterhalb der Großpyramiden gehen, ist jedoch noch umstritten.

Auszug aus der Veröffentlichung von Alberto Donini (University of Bologna). Donini stellt darin eine innovative Methode vor – die sogenannte Relative Erosion Method (REM). Sie basiert auf dem Vergleich zweier Erosionsmuster desselben Gesteinstyps unter identischen Umweltbedingungen eines mit bekanntem Alter, eines mit unbekanntem. Aus dem Verhältnis der Erosionsgrade will er anschließend eine Altersabschätzung ableiten.

Mit Hilfe bestimmter Formeln berechnet er am Ende das ermittelte Alter der Verwitterungen. Die Gaußsche Kurve (aus Veröffentlichung), die die Wahrscheinlichkeit von 68,2 % zeigt, dass der Wert innerhalb von plus oder minus einer Standardabweichung liegt.

Fragment eines der ältesten beschrifteten Papyri Ägyptens – die rund 4.600 Jahre alten Fragmente vom Wadi al-Dscharf am Roten Meer. Die Texte dokumentieren die Arbeit eines Bautrupps, der Kalkstein von Tura nach Gizeh schiffte. Das Steinmaterial diente zum Bau der Großen Pyramide von König Cheops. Beweist dieser Papyrus damit die Authentizität der Herodot-Überlieferungen?

Die Berechnungen von Robert Bauval ergaben, dass die Präzision der Erdachse in Verbindung mit der Ausrichtung der so genannten „Seelenschächten“ eine astronomische Datierung der Cheopspyramide erlaubt. Nur in einem recht engen Zeitfenster zwischen 2.700 bis 2.500 v. Chr. weisen die Schächte auf ganze bestimmte Sterne bzw. Konstellationen.

Angeregt durch den Autor John Anthony West machte Prof. Robert Schoch Anfang der 1990er Jahre durch Untersuchungen an der Sphinx bekannt, dass die Erosionsspuren eher auf starke Wassererosion als auf reine Winderosion hindeuten könnten. Seine These: Die Verwitterung könnte auf eine deutlich feuchtere Klimaperiode zurückgehen — also auf ein Alter um 10.000 v. Chr. Mein Kollege Prof. David Rohl und ich lehnen dieses Paläoalter aufgrund eigener Beobachtungen an prädynastischen Strukturen auf dem Gizeh-Plateau ab.